Pestpocken/Bad Nasty Split Interview

Nicht nur, dass ich Mitglieder beider Bands relativ gut kenne, sondern weil ich sie auch mag, brachte mich auf die Idee ein Interview mit ihnen zu machen. Das daraus ein "Split-Interview" wurde kommt daher, dass sie gerade auch eine gemeinsame Split-LP veröffentlicht haben. Wie ich zu LP stehe, kann man einfach selbst bei den Reviews nachlesen. Ansonsten will ich jetzt mal nicht so viel Worte machen. Darum sollen sich die Bands selbst kümmern! BN = Bad Nasty P = Pestpocken

Woher kennt ihr euch eigentlich - die Bands - und wie kam es zu LP?

BN (Fredz): Bevor ich die Pestpocken persönlich kennenlernte hatte ich 2000 ein Lied von ihnen auf dem Sampler Punx Unite "International Chaos" gehört. Zu der Zeit wohnt ich noch in Lyon. Im Süden von Frankreich. Bei einem Urlaub im Nordosten Frankreich las ich dann auf nem Flyer, dass die Band in Stuttgart spielen würde. Da das nur 200 km weg war beschloss ich dort hin zu fahren. Es war erst mein zweites mal, dass ich in Deutschland war und diesmal ohne einen Kumpel der deutsch spricht. Obendrein konnte ich kein Deutsch sprechen (auch heute noch nicht) und auch noch kein richtiges Englisch. Die einzige mit der ich mich unterhalten konnte war Stine, die Schlagzeugerin von den Pestpocken. Von da an wurden wir Freunde. Wir feierten diverse Parties miteinander und organisierten uns gegenseitig Konzerte im jeweilig anderen Land. Ich für sie in Frankreich und der Schweiz und sie für uns und andere Bands die ich kenne (Tension, The Krays, Dick Spikie, etc.) Shows in Deutschland. Die Pestpocken selbst haben uns dann 2001 das erste mal live gesehen. Einige Wochen danach bin ich wiederum in Giessen auf einen Konzert mit ihnen gewesen (zusammen mit Los Vomitos wenn ich mich richtig erinnere). Dort haben mich Danny und Andrea gefragt, ob wir nicht die Split zusammen machen sollen. Das weiß ich deswegen noch so gut, weil es mir an dem Tag total kotzübel war. Die Nacht zuvor war ich bei Seb und wachte irgendwann auf, weil ich durst hatte. Getrunken hatte ich dann Blondierung. Seb hatte das Zeux in ne Wasserflasche umgefüllt... Jedenfalls weiß ich nicht, wieso die Pestpocken so sehr mögen. Denn die beiden Male, die sie uns gesehen haben waren wirklich schlecht. Wir haben gespielt, als ob wir keine Hände hätten. Doch vielleicht hat ihnen gerade das gefallen. Haha. BN (Seb): Ich traf die Gang das erste mal in Homburg/Saar, als sie zusammen mit Tension auf Tour waren. Ich fuhr daraufhin ein paar Tage mit, wir hatten viel Spaß und freundeten uns an, woraufhin ich auch des öfteren in Giessen war. Als ich auch noch von den Plänen wegen der Platte hörte, war ich total happy. Pestpocken sind eine meiner liebsten Deutschpunk-Bands. Ich mag diese aggressive Sprache.

P (Danny): Als ersten haben wir Fredz (den Sänger) im Zuge unserer Tour mit Casualties `00 in Stuttgart kennengelernt, Verol (Bassist) bei der Tension - Tour, die von Fredz organisiert wurde, und Eric auf einem Konzert in Giessen. Zu diesem Zeitpunkt gab es Bad Nasty noch nicht. Als die Idee geboren wurde mit einer engagierten ausländischen Band eine Split Lp zu veröffentlichen, dachten wir zu erst an Bad Nasty, mit denen wir mittlerweile gut befreundet waren.

Seid ihr eigentlich überhaupt mal zusammen auf Tour gewesen, oder habt ihr das nun aufgrund der Scheibe vor?

BN (Fredz): Nein, bisher hat das leider noch nicht geklappt. Ich hoffe das haut aber bald mal hin. Jetzt mit der Platte sollte das mal was werden. 2000 war ich mit denen mal unterwegs, als in den Booker und Fahrer von Tension gemacht habe. Das war ne coole Sache, auch obwohl wir den Tourbus geschrottet haben. Glücklicherweise ist aber niemanden etwas passiert. Doch einmal haben wir mit den Pestpocken zusammen gespielt. Wenn ich mich recht entsinne, war das in Zürich. Klasse Party, dort habe ich so einige Hirnzellen gelassen... BN(Seb): Mit BN haben wir im November ´01 schon einige Konzerte zusammen mit den Pestpocken und den Rotten Boi!s gespielt. Das war in Deutschland, nur konnten wir nicht alle Gigs spielen. Das war scheiße gebucht. Wir spielten zwei Abende und die Pestpocken einen. Doch es gab nie einen Abend an dem wir alle zusammen gespielt haben. Doch alle waren immer da und wir hatten viel Spaß. Vor allem in einer Stadt bei Stuttgart, habe den Namen vergessen...Da war nach dem Konzert noch ein Punk-Nighter. So was hatte ich bis dahin noch nie gesehen. In Frankreich gibt es das nicht. Wenn da Musik nach dem Konzert läuft. Dann ist das Dub oder Techno! Klasse wie all die Spikepunks auf Village People tanzten. Abgestürzt sind wir noch bei nem Bandmitglied von Oi!genz. An dieser Stelle nomma vielen Dank für die Pennplätze. Leider weiß ich seinen Namen nicht mehr, doch mit Sicherheit weiß er noch, wer wir sind.

P (Danny): Die erhoffte gemeinsame Tour zum Erscheinen der Platte wird momentan aus zeitlichen Gründen nicht zustande kommen. Bisher haben wir erst ein einziges Mal zusammen gespielt, aber schon öfter was für einander organisiert. In Zukunft wollen wir wieder etwas mehr touren, dann vielleicht auch endlich mal zusammen.

Wie war denn die Releaseparty am 6.9. in Giessen und würdet ihr die Scheibe noch mal zusammen machen?

BN (Seb): Es war verrückt. Ein Haufen Leute, ein Haufen Freunde, sehr gut! Charge 69 und Skarface (beide franz. "Exportschlager", Anmk. des Verfassers) haben auch noch gespielt. Ein paar Franzosen waren auch da, so fühlte ich mich nicht so einsam. Denn normalerweise ist es ein Problem, wenn ich ins Ausland fahre, weil ich eben nur Französisch spreche. Wird langsam Zeit Englisch zu lernen, eines Tages kann ich es hoffentlich. Körperlich war es schon anstrengend. Ein paar Tage zuvor kamen wir nämlich gerade erst von einer Europatour zurück und deswegen war es schon hart. Doch wir mussten da hin Zudem hatten wir auch aus zeitlichen Gründen das Layout des Booklets nicht selbst gemacht. Doch als wir die platte sahen, war es eine schöne Überraschung. BN (Fredz): 1 A Party. Nur bekam ich den nächsten Tag ne Lebensmittelvergiftung! Ich ging zu einem Chinesen, der im selben Haus von den Pestpocken ist. Der gab mir scheinbar etwas, was schon schlecht war. Ne Stunde war eigentlich alles in Ordnung, ich holte die restlichen Platten ab und dann ging es plötzlich los. In Zeitabständen von zehn Minuten hab ich dann ne ganze Stunde nur gereiert. Erinnere mich bitte jemand daran, wenn ich das nächste mal in Giessen bin, den Laden abzufackeln. Hm, obwohl in dem Haus wohnt aber auch Danny. Na ja, muss ich den mit abbrennen lassen. Aber was für ein Pech, da ich doch Asia Food so sehr mag. Ich kann das jetzt nicht mehr essen, dann muss ich immer an das Reiern denken. Doch dass wir die Platte mit den Pestpocken gemacht haben, darüber freu ich mich. Doch über den Sound unserer Tracks bin ich weniger zufrieden. Wir haben die zu schnell eingespielt. Jetzt haben wir die schon öfters live gespielt und jetzt klingen die auch besser. Vielleicht nehmen wir sie aber später nomma neu auf. Doch ob die Pestpocken nomma ne Scheibe mit uns machen wollen, bleibt abzuwarten. Die haben ihre Songs im Juni 2002 aufgenommen und wir im Mai 2003. Leider mussten sie lange warten. Doch von dem Tag an dem sie mich fragten bis zu den Aufnahmen hatten wir viele Bandprobleme und Neubesetzungen. Wir hatten einfach kein Glück: Einer wanderte innen Bau, einer bekam nen neuen Job und musste wegziehen, einer hatte keinen Bock mehr auf Punk, einer bekam ne Psychose aufgrund seines Drogenkonsums. Der sitzt jetzt inner Klapse und kann gar nicht mehr spielen. Zwar ist jetzt seit einem Jahr alles fest, doch wohnen wir nicht alle in der gleichen Stadt. Doch seit ein paar Wochen leben wir alle in Nancy, bis auf Erik, der in Luxemburg wohnt. Das hat eben immer Zeit gekostet, jeweils bei null zu beginnen. Und da ich nicht wollte, dass die Giessener mich für verrückt erklären, erfand ich immer wieder neue, haarsträubende Geschichten, um sie zu beruhigen. Doch sie haben alles herausgefunden und hassen mich jetzt. Haha.

P (Danny): Die Lp - Release Party war das Größte was wir bisher organsiert haben, mit Konzerten an Freitag und Samstag, Fußballturnier und eigenem Auftritt. Die Stimmung war riesig und das AK44 ausverkauft. In diesem Sinne noch mal vielen Dank an Destitution, Charge69, Skarface und allen die geholfen haben. Auch wenn wir ewig auf die BN Aufnahmen warten mußten, würden wir es jeder Zeit wieder machen, da alle Beteiligten von Lp und Gestaltung begeistert sind.

Wer hat denn die Platte veröffentlicht? Ist das D.I.Y. oder über ein Label?

BN (Fredz): Vier Leute haben die Platte möglich gemacht. Einmal die Pestpocken, die die Scheibe in Deutschland verticken, dann Mathieu vom S.O.R. Label in der Schweiz, Kanal Hysteryk ein Label aus Nancy, welches den Vertrieb in Frankreich macht und Punx Rules Rec.. Das sind wir. Doch unser Logo ist nicht mit auf der LP, weil wir wie immer zu spät waren. Doch ist das eh die erste Veröffentlichung und wir vertreiben die LP dann in den restlichen Ländern, in denen es auch Vinyl gibt: USA, UK, Belgien, Japan, Holland etc.

P (Danny): Die Lp - Release Party war das Größte was wir bisher organsiert haben, mit Konzerten an Freitag und Samstag, Fußballturnier und eigenem Auftritt. Die Stimmung war riesig und das AK44 ausverkauft. In diesem Sinne noch mal vielen Dank an Destitution, Charge69, Skarface und allen die geholfen haben. Auch wenn wir ewig auf die BN Aufnahmen warten mußten, würden wir es jeder Zeit wieder machen, da alle Beteiligten von Lp und Gestaltung begeistert sind.

Was haltet ihr von D.I.Y. oder Label?

BN (Seb): Das ist schwer zu sagen. Wir mögen beides. Es kommt darauf an, wie es gemacht wird. Wenn der Deal und der Typ o.k. sind, der Vertrieb und die anderen Bands auf dem Label gut sind, dann ist das auch o.k. Doch wenn es ein mieses Label ist, dass an der Band viel verdient, die Band über den Tisch zieht, keine Promotion für die Band macht oder das Zeug an Scheiß Mailorder vertickt (die bspw. auch Nazisachen verticken), dann isses ganz klar Mist. D.I.Y. läuft aber auch sehr gut. So wie wir es machen, finde ich es gut. Wir haben die Kontakte, die Zeit und die Motivation und wir wissen, wie es funktioniert. Wir haben unseren Teil gerade mal in drei Wochen verkauft! Bevor man so was macht muss man eben auch motiviert sein und nicht morgens aufstehen und sagen: " So, ab heut mach ich mal ein diy Vertrieb". Für so was braucht man auch denke ich schon ein klitzekleines Erfahrung. Ich kenne viele Leute, die was angefangen haben und dann wieder aufhörten, weil sie einfach zu faul waren, oder es war ihnen zu kompliziert, oder es beanspruchte ihnen zu viel Zeit. Das kann dann eben zu Problemen mit Bands führen. Eine Platte zu machen heißt ja auch viel Kohle zu haben. Also musst du entweder viele Konzerte spielen, oder es aus der eigenen Tasche zaubern. Man muss Proben und Songs schreiben, das wiederum bedeutet, du musst den Proberaum zahlen, das Material zahlen, das Studio zahlen, nen Bus mieten, wenn man länger und weiter unterwegs ist. Da spielen viele Dinge ein große Rolle. Da kann ein Label eben genau so viel kaputt machen wie d.i.y.

P (Danny): Prinzipiell haben wir natürlich nichts gegen Labels, solange Gestaltung und Rechte bei der Band bleiben, geben sie gerade unbekannteren Bands eine gute Hilfe um auf die Beine zu kommen. Trotzdem sind wir froh nach unseren zwei Singles auch die Split Lp in Eigenregie und ohne fremde Hilfe veröffentlicht zu haben.

Durch welche Bands seid ihr jeweils beeinflusst und wie würdet ihr euch selbst als Band charakterisieren?

BN (Fredz): Ich finde nicht, dass wir jetzt speziell beeinflusst wurden. Es ist eben ein Mix aus allem was wir so hören. Da eine Liste zu erstellen finde ich nicht fair. Zudem hören wir verschieden Stile und schreiben aber die Texte zusammen. Hauptsächlich zwar Punk aber eben nicht ausschließlich. Weswegen wir nicht auf einen Musikstil oder Band festgelegt sind. Es ist schwer zu sagen, da ich im Namen der Band antworte. Manchmal sind wir beeinflusst durch Musik, die alles andere als Punk ist. Ich weiß, ich antworte nicht wirklich auf deine Frage, aber das ist auch schwer.

P (Danny): Uns war ein eigener Stil von Anfang an sehr wichtig, daher haben wir nie viel gecovert oder versucht den Stil anderer Bands aufzuwärmen. Da wir aggressive deutschsprachige Musik machen sind wir wohl eine Deutschpunk Band. Allerdings halten wir nicht viel von Spaltungen und Schubladendenken und machen einfach das, was uns am besten gefällt.

Wie lange gibt es die Bands schon?

BN (Fredz): Komisch, die Frage kommt doch meistens zu Beginn eines Interviews. Haha. 2001 hatten wir probiert mit der Band zu starten. Doch wie ich anfangs schon erklärte, gab es einige Probleme mit der Besetzung. Es ist wirklich schwer Leute zu finden, die die selbe Musik machen wie du auch (vor allem in Frankreich, da unser Sound dort nicht populär ist), die etwas weiter weg Shows spielen wollen oder Zeit investieren. Die Band ist jetzt: Erik (voc., Gitarre), Seb (voc., Bass), Arnos (voc., drums), und mich Fredz (voc., Gitarre). Ansonsten haben wir noch einige Konzerte in Europa gespielt, diesen Sommer ne fette Europa-Tour mit Order aus Japan. Veröffentlichen bisher ist ne 7´´ mit Dick Spikie aus Japan auf dem französischen Label Dynamite Rcd. und seit kurzem die Split-LP, was ja nun bekannt ist.

P (Danny): Pestpocken gibt es seit dem Mittelalter und sie haben tausende in ihren Bann gezogen. Die Band ist so zu sagen das Nachfolgeprojekt, ist allerdings nicht ganz so effektiv im Beseitigen von Mißständen. Aber mal im ernst: Uns gibt es seit ´97, seit knapp einem Jahr ist Floppy am Bass dabei. 1000 Dank an Mirmo, der vorher 5 Jahre bei uns gespielt hat und nach dem Einspielen der Split Lp ausgestiegen ist.

Wo außer im jeweiligen "Heimatland" habt ihr denn noch gespielt?

BN (Seb): Wie Fredz schon sagte ist Punk nicht unbedingt gefragt in Frankreich. Dazu singen wir auch noch gemischt englisch und französisch. Das hassen die Leuts. Sie sind stolz auf "ihre" Sprache, sogar in der Punkszene. Vielleicht kennst du die Franzosen, haha. Also wir haben schon so gegen 40 mal gespielt. Davon aber nur 9 mal in Frankreich und davon 8 mal hier in der Gegend. War natürlich gut, weil dann immer alle Bekannten gekommen sind. Das andere Mal war in Bordeaux. War aber echt gut, weil es dort viel mehr Volk gibt, dass die Mucke hört. Das Land in dem wir am meisten gespielt haben ist ganz klar Deutschland. Da ist es am einfachsten einen Gig zu bekommen mit guten Konditionen und ner guten Atmosphäre. Ansonsten hatten wir noch in der Schweiz, Italien, Tschechei und Spanien Auftritte. Öfter spielen wir auch an der belgisch-luxemburgischen Grenze. Dort ist das Publikum auch sehr gut. In Frankreich mag man Punk mehr entweder in der Bretagne oder im Südwesten. Beides ist circa 1000 km weg. Wir aber wohnen gerade mal 100 km von der deutschen Grenze weg und auch fast im Zentrum Europas. Deswegen ist es für uns besser mal hierhin und mal dorthin zu fahren.

P (Danny): Bisher hatten wir erst zwei kleinere Touren, auf denen wir allerdings auch im Ausland gespielt haben. Ansonsten sind wir fast nur an Wochenenden und in erster Linie in Deutschland unterwegs, waren aber auch schon in Frankreich, Tschechen, Italien und der Schweiz.

Was sind denn für euch die bedeutensten Combos, des jeweils anderen Landes?

Wenn man mal die Mehrzahl der französischen Punks fragen würde, dann würden die Oxymoron und Scattergun nennen. Oxymoron deswegen, weil sie auf jeden Fall gute Musik machen, dann haben sie auch schon oft hier schon gespielt und auch deren Vertrieb ist spitze, überall, wo man Punks trifft ist auch was von denen. Scattergun haben noch nie in Frankreich gespielt, aber es gibt französische Pressungen ihrer Platten. Für mich selbst gibt es keine wirkliche deutsche No. One. Auf Anhieb fallen mir ein: Apc, Frontkick, Revolvers, Slime, Pillocks, Pestpocken, Red with Anger, Shocks...Wie eben schon gesagt, das sind lediglich diejenigen, die mir sofort einfielen.

P (Danny): Spätestens nach Erscheinen der Platte ist natürlich Bad Nasty die bedeutendste Band für uns. Des Weiteren haben wir mit Skarface und Charge 69 zwei sehr nette Bands kennengelernt, die auf Grund ihres Bekanntheitsgrades und der nebenher laufenden Labels, wahrscheinlich "bedeutender" sind. Außerdem kennen wir Neophyte von gemeinsamen Auftritten und Dipsomanie.

Was findet ihr an dem jeweilig anderen Land schlecht/gut und welche Klischees können bestätigt werden?

BN (Fredz): Ich habe in Deutschland zwei verschiedene Welten beobachtet. Ich mag die Architektur bei euch. Hier sind die modernen Bauten viel zu eckig und würfelförmig. Mir gefällt die "typische" Hausform besser. Die Menschen in Deutschland scheinen in der Regel freundlicher als in Frankreich. Sie haben mehr Respekt voreinander. Auch sind sie weniger aggressiv, wenn sie Punks sehen. Was ich nicht mag und was mich schockiert hat, ist, dass man hier nem Haufen Naziskins über den Weg läuft. In Frankreich gibt es zwar auch Nazis, doch nicht so viele und die verstecken sich auch. Denen begegnet man kaum mal im Bus oder auf der Straße. Die trifft man nur auf ihren seltenen Konzerten oder bei Fußballspielen. Ich rede hier jetzt von "richtigen" Faschos. Sie haben den typischen Look, tragen Badges usw. Ich mag die deutsche Punkszene sehr. Ich war schon in einigen Ländern und sie gefällt mir mit am besten. Es ist nicht das Punk-Paradies, doch echt cool. Meistens ist eine gute Atmosphäre, die Leute hauen sich nicht gegenseitig aufs Maul und es gibt alternative Läden (in Frankreich sind es dann schon professionelle Bars oder Clubs , in denen man spielt). Außerdem gibt es viele Konzerte, viele Platten, viele Bands, Label und Fanzines...Die Szenen lebt eben. BN (Seb): Mir gefällt alles, weil ich halt nichts verstehe. Nur die Autobahnen find ich heftig!!

P (Danny): Was sind denn die üblichen Klischees? Als wir in Frankreich gespielt haben, haben uns auf jeden Fall keine Baskenmützen tragenden, schnauzbärtigen Punx mit Baguette bewaffnet hinter der Bühne aufgelauert. Die Leute die wir in Frankreich kennen gelernt haben waren alle sehr nett und gastfreundlich, negative Erfahrungen blieben uns bisher zum Glück erspart. Der einzige Wehrmutstropfen ist das schreckliche Geknutschte, das in mir schrecklichste Familien Szenarien meiner Kindheit wieder auf erleben lässt.

Und was stört euch an eurem eigenen Land?

BN (Seb): Ich glaube da gibt es gar nicht allzu große unterschiedliche Probleme im täglichen Leben. Ne korrupte Regierung, die nix ändert. Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Es gibt tausende von Problemen. Ich könnt ein Buch mit dem Titel "Die französische Krankheit" drüber schreiben. Doch auch die Punkszene in Frankreich ist schrecklich, um so mehr ich herumreise desto mehr bestätigt sich das. Es gibt max. 20 Zines, die unregelmäßig erscheinen und klein sind. Es gibt auch keine großen Bands, die das ganze ein bisschen ins Rollen bringen würden. Hört sich vielleicht nicht so schön an, was ich sage, doch mag ich auch das Publikum in Frankreich nicht. Das bedeutet, dass von Stadt zu Stadt das Publikum völlig verschieden ist. Diejenigen, die dann überhaupt kommen, kann man in zwei Gruppen teilen. Die einen kommen auf die Konzerte, amüsieren sich und dann sind sie nach einiger Zeit wieder weg, eben die Normalo-Kids. Die anderen beschränken Punk auf Bier, Chaos, Schlägereien, Hunde & Dreck. Diese Art von Leuten vermiesen die Szene. Es gibt hier ne große Repression gegen Squats, Soziale Zentren etc., so können wir Shows nur in Bars oder Clubs buchen, denen Punk eher am Arsch vorbei geht. Tja und dann wird das nicht respektiert, dass man da ein Konzert machen kann und alles wird kaputt gemacht. Das Resultat bedeutet keine Gigs mehr. Mittlerweile ist es fast soweit, dass man keinen Ort mehr findet in den 100 Leuts reinpassen. Nur noch Läden mit Security, die viel kosten und was ingesamt teuer wird, nicht gerade das, was ich mir so vorstelle. Wie ich schon sagte ist es um Squats hier sehr schlecht bestellt und ich habe schon einige schließen sehen, was mich sehr verärgert. Denn wenn es mal klappt, dann kommen oben Angesprochene, machen Ärger, hauen alles zu Brei und suchen Stress mit den Nachbarn. Da brauch man nicht mal die Bullen um den Laden wieder zu schließen. Oder es gibt so was wie ein JUZ, bloß haben dort die Leute keinen Bock auf Punkrock aus gegebenen Gründen. Wir sind mit eines der größten europäischen Länder und bringen es gerade mal auf circa 5 Squats... BN (Fredz): Außerdem splittet sich die Szene noch untereinander. Für jeden Stil gibt es eigene Konzerte und Macher. Eigenartigerweise alle singen über "Unity" und wenn man sich es dann betrachtet ist es total paradox, jeder bleibt unter sich. Und auch dort gibt es Ärger, weil niemand mal auf den anderen zugeht. Wie im "normalen" Leben. Ich bin ziemlich angespisst, wenn ich auf ein Konzert gehe und man sie mit ner Bauerndisco vergleichen kann. Mit den Grabenkämpfen, die Teenie Probleme sind, sie , die Leute, aber erwachsen sind. Ich weiß nicht, was das Problem von Frankreich ist, doch was ich weiß ist: Ein französischer Punk bleibt immer noch voll und ganz Franzose. Hahaha. Die Szene ist schon über 20, steckt aber immer noch in der Pubertät.

P (Danny): Da die Frage sehr allgemein gestellt ist und den Rahmen des Interviews (oder des Fanzines) sprengen würde, begrenzen wir das Ganze auf unseren Lebensraum, die Punkszene. An erster Stelle kommt der Trend mancher Zurückverdummten zum "unpolitischen", (lokal-) patriotischen, rechtsoffenen Stammtischhelden zu mutieren. Das finden wir sogar noch schlimmer als das erbärmliche Verhalten mancher Mitleid erregender, nach Kleingeld für den nächsten Suff bettelnden Bahnhofasseln. Absolut ätzend ist außerdem das Verbreiten von Lügen und Intrigen zur Selbstdarstellung, die Spaltung und Grüppchenbildung innerhalb der Szene, sowie das Getratsche, Gelästere über Dritte und das ignorante Konsumverhalten vieler Leute. Wenn man die Punkte zusammen nimmt könnte man fast zu dem Schluss kommen, dass Punkrock nicht die Alternative zu dieser beschissenen, engstirnigen Gesellschaft ist, sondern ihr Spiegelbild.

Haben heutige Rockstarts noch Wünsche bzgl. mit anderen Kapellen aufzutreten?

BN (Seb): Da fallen mir Rancid, Social Distortion, Clash (du sagtest ja es dürfen Wünsche sein), Adicts und viele mehr ein. BN (Fredz): Ich wünsch mir da nix mehr. Wir haben schon mit einigen größeren Bands gespielt und bin eher etwas enttäuscht. Oft bedeutet ein gemeinsames Konzert gerade mal die Bühne zu teilen und das war's. Da kommt kein Gespräch zu stande, man macht keine verwertbare Erfahrung usw. Da gehe ich lieber mal auf ein Konzert und zerstöre mir nicht Illusion, die ich habe. Lieber spiele ich mit befreundeten Bands wie Antidote, N.Y. Rel-X, Krays, Pestpocken..., das wird dann wenigstens ein lustiger Abend mit guten Gesprächen. P(Danny): Interessanter wäre es wahrscheinlich manche Bands kennen zu lernen, da konnten wir uns mit der Casualties Tour einen damaligen "Wunsch" bereits erfüllen. Als wir z. B. mit G.B.H. gespielt haben, haben wir leider den ganzen Abend kaum ein Wort mit ihnen gewechselt. Musikalisch gesehen wären meine persönlichen Favoriten Slime und Subhumans. Scheinbar gibt es noch Seitenprojekte, die einige Bandmitglieder betreiben. Mal raus damit! BN (Fredz): Im Moment mach ich viel für unser neues Label Punx Rules. Ich buche eine Tour und helfe noch beim Worst Fanzine mit. BN (Seb): Zusammen mit Freunden mache ich das Punklabel Kanal Hysterik und alle drei Monate organisiere ich hier in Nancy ein Konzert.

P (Danny): Wir sind in einer Konzertgruppe im AK44 in Giessen aktiv, organisieren manchmal Punkerkneipe und einmal im Jahr das antinationale Fußballturnier. Des Weiteren betreibe ich einen Mailorder und Floppy ist im Begriff eine Karriere als Fanzineschreiber zu starten. Also zieht euch warm an!

Abschließend noch die Frage, was ich vergessen habe bzw. was ich noch wissen sollte.

BN(Seb): Ich liebe die Musik von The Revolvers, das ist kein Witz BN (Fredz): Ich bin ein Lügner glaubt mir bloß nix!!

P (Danny): Dazu fallen mir nur Standard Phrasen wie:" Vielen Dank für das großartig geführte Interview" oder "Besucht unsere Internetseite www.pestpocken.rocken.de ein. Und ich möchte meinen Eltern danken, die, schluchz, immer zu mir gehalten haben. Ohne euch hätte ich das nie geschafft!

Meine Scheiße, das war jetzt aber schon ganz schön lange und ausführlich. Aber auf jeden Fall lieber so, als wenn Bands gar nix zu sagen haben. Nun denn, falls euch das Interview gefallen hat, dann hört euch mal um, wann die Bands wo spielen. Einen guten Abend kann man dann nämlich getrost entgegen sehen. Bocky